Qualität hat seinen Preis und dieser Preis ist Zeit

Jakob Panov (15): „Ich, also der Prüfling, hätte noch besser sein können. Die Gelbgurtprüfung war sehr anstrengend für mich.“ – Jakob ist aus der Kindergruppe des SC Alstertal-Langenhorn zu den Erwachsenen gekommen und ist seit fast acht Jahren beim Kung Fu.

Jakob

Jakob Panov

An einem Sonntag im April fand ein recht typisches Ereignis für die Räumlichkeiten der Kung Fu Gruppe im SC Alstertal-Langenhorn statt. Es wurden die regelmäßig stattfindenden Gurtprüfungen abgehalten. Besonderheit waren in diesem Fall allerdings die Prüflinge selbst. Ganze neun junge Menschen auf einmal hatten sich eingefunden, um nach jahrelang, intensivem Training ihr Können unter Beweis zu stellen. Insgesamt brachten die Neun ganze dreißig Jahre an Kung Fu Erfahrung mit sich. Ein Umstand welcher in der Tat ungewöhnlich ist. Normalerweise findet die Prüfung zur ersten Schärpe (Gelbgurt) nach 6 bis 12 Monaten statt. In diesem Fall, oder besser gesagt Fällen fand eine besonders intensive Vorbereitung ihre Anwendung und das nicht ohne Grund.

Matthias Kraft (18): „Es hat mir Spaß gemacht, ich war nicht ganz zufrieden mit mir. Nächstes Mal werde ich es besser machen.“ – Matthias ist mit 1 ½ Jahren Trainingszeit das „Küken“ im Unterrichtsraum.

Die jahrzehntelange Erfahrung des Lehrers Si Fu Hubert Wolf hatte gezeigt, dass in den meisten Fällen 6 bis 12 Monate Vorbereitungszeit einfach nicht ausreichend genug sind. Zu häufig treten im späteren Verlauf der „Kung Fu Karriere“ deutlich Schwächen auf, die nur mit immenser Anstrengung seitens der Schüler und des Lehrers wieder zu korrigieren sind. Es ist die Basis auf der alles aufbaut und die Basis des Kung Fu wird bis zum Gelbgurt vermittelt

Simone Roolfs (19): „Es war gut und anstrengend. Es waren sogar gleich zwei Prüfer anwesend.“ – Simone ist die einzige Frau unter den Prüflingen gewesen und hat mittlerweile beide ihrer jüngeren Geschwister überzeugen können auch zum Kung Fu zu kommen.

Di Grundbegriffe und Techniken welche im Laufe der ersten Zeit erlernt werden, lassen einen das ganze Leben nicht mehr los. Selbst als Schwarzgurt mit vielen Jahren der Kampferfahrung wird kontinuierlich auf das Basiswissen zurückgegriffen. Die ersten Tritte, Schläge und Stände ändern sich nicht mehr sonderlich viel, außer natürlich insofern, dass die Ausführung sich mehr und mehr der Perfektion annähern sollte.

Jonas Budelmann (18): „Diese Prüfung werde ich mir besonders einprägen.“ – Jonas ist am längsten in der Anfängergruppe der Erwachsenen gewesen und hat schon viele Monate der unmittelbaren Prüfungsvorbereitung miterlebt.

Jonas Budelmann

Jonas Budelmann

Die Anforderungen welche in so einer Prüfung abgefragt werden sind enorm umfangreich. So wird neben der physischen und geistigen Verfassung des Schülers vor allem sein Wissen auf Herz und Nieren getestet. Abgucken und Schummeln sind zwecklos. Jeder kann nur das wiedergeben, was in akribischer Vorbereitung verinnerlicht worden ist. Die Prüfungsdauer beträgt in der Regel eine Dreiviertelstunde und währenddessen gibt es keine Pause.

Immanuel Züchner (18): „Der Pferdestand war gar nicht so schlimm, weil man nebenbei noch abgefragt wurde.“ – Immanuel hat aus einem unsportlichen jungen Mann jemanden gemacht, für den 50 Liegestütze am Stück zu keiner besonderen Herausforderung mehr gehören.

Eine simple und schwierige Voraussetzung ist der Pferdestand, bei dem beide Beine parallel wie auf dem Rücken eines Pferdes sitzend auseinander gestellt werden. Jeder kann das Zuhause gerne mal nachmachen. Mindestdauer während der Prüfung sind drei Minuten für diese Stellung.

Pferdestand

Kai Mohrmann (19): „Ich dachte die ganze Zeit über mein gedachtes Können und vor allem meine Kondition würden besonders schlecht sein, aber der Prüfer meint am Ende unsere Techniken wären schon weit fortgeschritten was mich angenehm erstaunte. Die Worte des Prüfers das aus uns etwas werden könne sind mir im Gedächtnis haften geblieben.“ – Kai ist seit rund 2 ½ Jahren ein fester Bestandteil in der Anfängergruppe, doch das wird sich sicher irgendwann ändern. Die Fortgeschrittenen erwarten ihn schon.

Für die meisten Schüler stellt die erste Prüfung auch die letzte dar. Ein Gros der Schüler beschließt sich anderen Dingen zuzuwenden und die einmal bestandene Prüfung bleibt für viele der Höhepunkt auf dem langen Weg des Kung Fu. Das ist auch nichts Ungewöhnliches. Es gab und wird auch immer nur wenige Schwarzgurte geben und eine große Menge an Weiß- und Gelbgurten. Die Intensität mit welcher die Erlebnisse auf so einer Prüfung wahrgenommen werden, kommt für viele recht unerwartet und ist mit schulischen Prüfungen kaum vergleichbar. Nichtsdestotrotz ist es die Masse der Schüler, welche den Menschen, der sie anleitet erst zu einem Lehrer macht.

Dominik Piggin (18): „Ich habe mehr als alles gegeben. Es war ein historisches Highlight in meinem Leben. Ich bin dadurch ein Stück erwachsener geworden.“ – Dominik ist einer der sehr Wenigen, welche nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder den Weg in die Unterrichtshallen gefunden hat.

vlnr Dominik Moritz und Immanuel nach der Prüfung

vlnr Dominik, Moritz und Immanuel nach der Prüfung

An dem besagten Sonntag im April wurden also die Gurtprüfungen abgenommen. Sebastian Zille war schon einen Tag früher dran. Der Achtzehnjährige ist schon seit einigen Jahren beim Kung Fu und genau wie Jakob Panov aus der Kindergruppe des SCAL zu den Erwachsenen gekommen ist. Es war am Tag zuvor in eine fremde Schule gefahren, um dort zu beweisen, dass er ein Grüngurt im Wun Hop Kuen Do Kung Fu ist.

Sebastian: Ich war erstaunt wiesehr die Techniken aus anderen Schulen mit den unsrigen variierten. Dennoch musste der Prüfer anerkennen, dass alles was ich gezeigt habe funktioniert. – Sebastian hatte in den vergangenen Jahren schon zwei Prüfungen erfolgreich hinter sich gebracht und war zur Grüngurtprüfung in die Schule nach Altona gefahren.

Sebastian überwand wie alle anderen Prüflinge auch die Hürde zur nächsten Schärpe mit Bravour. Es war ein Freudentag für die Schule im SCAL und den Si Fu Hubert Wolf, dessen genaues Auge uns immer wieder an persönliche Höchstleistungen heranführt.

Moritz Hansen (18): „Ich wusste gar nicht, was ich noch alles aus meinem Körper rausholen kann. Die letzten Minuten waren die härtesten, aber ich würds wieder machen. – Moritz hat mit 87% zusammen mit Simone Roolfs das höchste Ergebnis von den Prüflingen erreicht.

Die Prüflinge mit Si Fu Hubert Wolf in ihrer Mitte vorne links ist Sebsatian Zille mit frischem Grüngurt

Die Prüflinge mit Si Fu Hubert Wolf in ihrer Mitte – vorne links ist Sebsatian Zille mit frischem Grüngurt

Allen Prüflingen noch einmal Herzliche Glückwünsche zur bestandenen Prüfung und auf das noch viele weitere folgen werden.

Si Hing Marvin Sadrinna, 2 Meistergrad WHKD

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